Tourismus
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Beim
Bau der
Heiligenloher Kirche wurden die Maurer vom Leibhaftigen heimgesucht.
Foto: © Burkhard Osterloh |
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Der
Düwel hatte mit seinem dicken Schädel eine ganze
Mauer eingerannt.
Foto: © Burkhard Osterloh |
Heiligenloher Sagen
Das Düwellock in der Heiligenloher Kirche
Wenn heute der Lehrer mit seiner Klasse, der Pastor mit
seinen Konfirmanden die Kirche in Heiligenloh besichtigt, stehen
die Kinder genau wie früher immer noch ein bisschen erschauernd
vor einem Loch oben im Turmgewölbe, und das ist eben so
alt wie die Kirche selbst.
Als nämlich vor gut 700 Jahren die Menschen hier den Plan
gefasst hatten, für ihren Glauben im Dorf ein Haus zu bauen,
war gleich ein Neider da: Dem war ein Gott der Liebe unheimlich,
und Menschen, die an einen solchen glaubten, passten überhaupt
nicht in sein Konzept, die Welt zu beherrschen. Vom ersten Spatenstich
an belästigte er die Maurer, um den Bau der Kirche zu verhindern.
Einmal
zerbrach er mit rohem Tritt die Sprossen einer Leiter, dann
kippte er Kübel mit frisch angesetztem Kitt um; und
als die Leute eines Morgens zur Baustelle kamen, hatte er während
der Nacht, vermutlich mit seinem dicken Schädel, eine ganze
Mauer eingerannt. Überzeugt von ihrem rechten Glauben und
mit dem Mut derer, die sich von einem guten Plan nicht abbringen
lassen, beschlossen die Menschen, sich zur Wehr zu setzen und
sich ihren bösartigen Widersacher zu schnappen, und zwar
dann, wenn er sein hinterhältiges Spiel trieb: In der Dunkelheit.
Sie
versteckten sich zur rechten Zeit, und als es Mitternacht geworden
war, erschien er in seiner wohlbekannten Gestalt, und sie hatten
wetten mögen, einen eisenbeschlagenen Pferdefuß über
sich im Turm verschwinden gesehen zu haben. Ein kurzer Blick,
ein aufmunterndes Kopfnicken, und schon stießen sie nach!
Sie erwischten ihn oben im Gewölbe, packten zu und zwangen
ihn in gemeinsamer Anstrengung so lange, bis eine Wand aufgerichtet
war, die ihn wie in einem Kerker gefangen hielt. Jetzt endlich
konnten sie in Frieden ihr Werk vollenden.
Ganz losgeworden waren
die Menschen den Bösen allerdings
immer noch nicht. Er steckte ja in der Mauer, und als bei dem
Einweihungsgottesdienst der Pastor den Segen sprach, donnerte
und krachte es plötzlich oben bei den Glocken! Die Sprache
unten in der Kirche ertrug er nicht: Mit Gewalt sprengte
er sein Gefängnis und verschwand in einer übel
riechenden Wolke, die Spuren seines Ausbruchs der Nachwelt
hinterlassend.
Quelle: Stadt Twistringen – Eine Heimatkunde; Auszug aus den
Heimatsagen, verfasst von Bernhard Fies, Bückeburg (vormals
Heiligenloh)
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... eine unheimlich schwarze Wolke kroch über das Kloster.
Foto: © Dimitri Castrique / www.sxc.hu |
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in den Nebelschwaden die Seelen der schuldig gewordenen
Mönche.
Foto: © Olly
Bennett / www.sxc.hu |
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Der Fang bei Heiligenloh Hinter
der Heiligenloher Grundschule fällt das Gelände
zur Beeke hin deutlich ab. Die Fläche wird heute landwirtschaftlich
genutzt, der Ertrag ist aber nicht unbedingt überwältigend.
Die Gegend heißt "Der Fang", und der Name erinnert an
eine Zeit, in der die Natur die Menschen anscheinend reicher
beschenken mochte.
Das haben vielleicht jene Mönche gespürt, die auf
ihrer Wanderung durch dichte, unberührte Wälder hier
angehalten haben sollen, ein Kloster bauten und ernteten, was
Bach und dann auch Acker in Hülle und Fülle hergaben.
"Wir finden alles, was wir fürs Leben brauchen. Hier
wird uns alles geschenkt, was uns Kraft gibt, unsere Pflicht
zu tun. Lasst uns als Zeichen unserer Dankbarkeit von jedem
Fischfang den schwersten Hecht wieder zurück in die Beeke
tauchen!" Dieser Vorschlag des Abtes fand sofort ungeteilte
Zustimmung, und die Bruderrunde machte daraus einen alle verpflichtenden
heiligen Brauch.
Ein solches Leben ohne Sorge um die tägliche Nahrung
veränderte die Mönche langsam aber sicher, so dass
es kaum Überredungskünste bedurfte, als ein neuer
Abt so ganz beiläufig meinte: "Wir beten und arbeiten,
die Natur deckt uns einen reichen Tisch, und das Beste vom
Besten gönnen wir uns so einfach selber nicht ...". Heiligen
Brauch ließ man heiligen Brauch sein, das Wort des Vorstehers
machte das Gewissen ruhig. Man stellte Hacke und Spaten in
die Ecke, und dann ging es richtig los: Gefangen und gebraten,
gebimmelt, an die Tische und gegessen, getrunken und gesungen
heidi heido!
Sie mögen es bei ihrem mittäglichen Prassen noch
nicht einmal bemerkt haben, als an einem Julitag zur Erntezeit
die Sonne unerträglich heiß zu glühen begann,
eine unheimlich schwarze Wolke über das Kloster kroch,
der Himmel plötzlich in einem die Ohren betäubenden
Schlag auseinanderbrach, der bis dahin Segen spendende Regen
in gewaltigen Güssen die Beeke zum Ungeheuer anschwellen,
den fruchtbaren Acker aufschwemmen und in wenigen Augenblicken
Mauern und Mönche im Schlamm versaufen ließ. Noch
die Generation vor uns sah in den Nebelschwaden, die im Herbst über
der Beeke stehn, die Seelen der schuldig gewordenen Mönche,
die hier keine Ruhe finden dürfen.
Quelle: Stadt Twistringen – Eine
Heimatkunde; Auszug aus den Heimatsagen, verfasst von Bernhard
Fies, Bückeburg (vormals Heiligenloh)
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einer der Verfolgten stürzte in einer Vollmondnacht in
den Pfarrgarten.
Foto: © Lynne
Lancaster / www.sxc.hu |
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der Apfelbaum stand genau an der Stelle, wo der nächtliche
Besucher untergetaucht
war.
Foto: © Scott
Snyder / www.sxc.hu |
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Der halbe Apfelbaum im Pfarrgarten von Heiligenloh
Noch am Anfang des letzten Jahrhunderts soll im Pfarrgarten
von Heiligenloh ein halber Apfelbaum gestanden haben, der
unbeschadet seiner verkrüppelten Gestalt allen Stürmen
trotzte und in jedem Herbst reiche Frucht trug. Er galt den
Einheimischen als sichtbares Zeichen einer wunderbaren Rettung.
Da war es nämlich schon vor Zeiten passiert, dass Menschen
um ihres Glaubens willen verfolgt wurden, nachdem der Bischof
von Münster das an die Grafen von Hoya verpfändete
Kirchspiel Twistringen zurückerhalten hatte und nun begann,
Andersgläubige durch brutale Vertreibung zu heimatlosen
Flüchtlingen zu machen.
Einer von diesen Verfolgten geriet in einer Vollmondnacht
an die Heiligenloher Beeke, durchwatete sie und stürzte
gehetzt in den Pfarrgarten, in dem der Pastor noch einen Spaziergang
unter seinen Obstbäumen machte. Es blieb aber gar keine
Zeit mehr, um eine Zuflucht zu betteln; denn die Verfolger
brachen auf ihren schnellen Pferden schon durch die Hecke,
die das Grundstück einfriedete. Der Gehetzte taumelte
in den Schatten eine Baumes, der Pastor stellte sich den Reitern
in den Weg, diese verlangten in rüdem Ton die Herausgabe
des Flüchtigen. "Seht in meinen Garten!" Der Pastor beschrieb
mit kaum zu unterdrückendem Zittern seines Armes einen
weiten Kreis: "Wo soll hier ein Versteck sein?"
"Was, Mann? Da an dem Baum, da bewegt sich doch wer!" Wütend
zog einer der Reiter seinen Degen aus der Scheide, holte aus
und schlug mit pfeifendem Hieb nach dem Stamm, in dessen Schatten
der Flüchtling verschwunden war. Ein Span splitterte,
befriedigt erzwangen die Verfolger im Pfarrhaus Bewirtung und
Nachtquartier: "Morgen werden wir sehen, was von dem Kerl übrig
blieb."
Bei Sonnenaufgang sah der Pastor staunend auf einen ihm fremden
Apfelbaum, der stand genau an der Stelle, an der sein nächtlicher
Besucher auf seiner Flucht so plötzlich untergetaucht
war; allerdings: Von dem Stamm des neuen Baumes war die eine
Hälfte glatt abgeschlagen. Die Knechte des Bischofs strichen
kopfschüttelnd durch den Garten, drehten sich noch einige
Male misstrauisch um und zogen schließlich verstummt
ab.
Der Pastor hat später die Nachricht erhalten, dass der
Flüchtling in jener Vollmondnacht durch den Degenhieb
seines Verfolgers zwar die Hälfte seines Mantels einbüßte,
sonst aber unverletzt geblieben war und sich danach endgültig
in Sicherheit hat bringen können.
Quelle: Stadt Twistringen – Eine
Heimatkunde; Auszug aus den Heimatsagen, verfasst von Bernhard
Fies, Bückeburg (vormals Heiligenloh) |